Unsere rosarote Brille, oder getragen vom Segen der Illusion! Oder vom Fluch?

Ein Hallo an alle ,

einen Frühjahrsgruß an alle rosaroten Brillenträger/innen, auch an jene ohne Brille.

Tja, seit die Sonne so frühjährlich scheint, ist es jetzt wohl wieder Zeit für Sonnenbrillen, in den verschiedensten Formen, Farben und Größen erscheinen sie nun wieder in unserem Alltag. Mal sehr witzig, mal stylisch, mal eigenartig. So eine Sonnenbrille hilft uns das Grelle der Sonne angenehmer zu ertragen, hilft uns ohne Blinzeln das Tagesgeschehen klar zu beobachten. Doch ein wenig anders wirkt es schon das Bild der Welt, farblich verändert, etwas anders, weniger kontrastreich, aber angenehmer.

Doch manchmal trage ich eine weitere Brille, eher rosarot und zwar unabhängig von der Lichtintensität. Wer kennt sie nicht seine rosarote Brille. Oder? Noch nie aufgehabt oder noch nie in den Händen gehalten? Auch da existiert das Phänomen mit der Brille, alles erscheint weniger grell, angenehmer zu betrachten.

Was soll einem dieses Brillengeschreibe denn nun sagen?

Jetzt mal historischen Klartext!

Illusion, welch ein schönes Wort!

Die Illusion bei den großen Zauberen, ganze Illusionswelten, unterhaltsam, finde ich, auf jeden Fall erstaunenswert. Blumig und unterhaltsam, eben eine Show, getreu dem Motto: “Nichts ist, wie es scheint!”, so sagt der Volksmund.

Doch hergeleitet bedeutet das Wort Illusion: die Täuschung!

Oh jetzt verschwindet aber das Unterhaltsame, das Blumige, jetzt wird es bitter, vorbei mit Lustig, jetzt wird es ernst! Wer möchte schon getäuscht werden? Oder?

Im Ayur-Veda gibt es für die Illusion den Begriff Maya und bedeutet:

viel komplexer als in unserer Wortwelt bedeutet Maya im Sanskrit: dort ist Maya eine Göttin, die Göttin des Scheins, des Zaubers, die Göttin der äußeren Hülle. Ihre Symbole sind die sieben Farben des Regenbogens, Maya besitzt einen Schleier und ein Spinnennetz.

Aus dieser bildlichen Beschreibung von Maya, der Illusion, dem Anschein, dem Oberflächlichen wird ersichtlich, wie sehr Maya mit der Realität eins ist. Sie ist ein Teil der Realität.

Die Illusion ist ein Teil der Realität!

Die drei Symbole Mayas:

Schleier, 7 Regenbogenfarben und das Spinnennetz:

Durch den Schleier Mayas werden die Dinge verschleiert, unklar, weniger kontrastreich. So wie mit der Sonnenbrille. Mit den sieben Farben des Regenbogens wird unser Sehen bunt, lebendig und individuell. Einfach eine persönliche Wahrnehmung. Im Spinnennetz kann man sich verheddern, dort kann man kleben bleiben, verhaftet werden und sein.

Wenn nun Maya, die Illusion, die Täuschung ein Teil der Realität ist, dann ist sie unsere rosarote Brille! Täuschung klingt im Deutschen aber auch wirklich hart und unerbittlich. Die äußere Hülle ist doch ein Teil der Realität, der Wahrnehmung!

Dämmert es so langsam, kann man spüren wohin ich will, womit ich gerade spiele?

Illusion ist absolut natürlich, aber eben nicht alles!!!!


Somit ist die Sicht aus unserer rosaroten Brille auch nicht blöd, dumm, unnatürlich oder krank. Wir sollten aufhören uns die rosarote Brille als schlecht einzureden, denn:

Wenn wir uns der Sache mit der Hülle, dem äußeren Schein, dem Anblick der Dinge, der Illusion so ganz und gar angefreundet haben, dann können wir auf die Suche gehen, uns aufmachen.

Tja wonach denn? Nach dem Kern der Dinge, das was wir den wahren Kern nennen!

Das heißt im Klartext???

Wenn wir die Erfahrung des Anscheins, der Illusion, die Effekte der rosaroten Brille wahrnehmen können, dann können wir die rosarote Brille auch abziehen!

Dann erfahren wir zu differenzieren, zu unterscheiden.

Was, wie?

Ein Haus hat Mauern und Fenster, aber hinter den Mauern und Fenstern sind noch viele Dinge, die wir wahrnehmen können, wir müssen nur aufhören zu glauben, dass an der Mauer die Welt aufhört!

Daher ist die rosarote Brille weder ein Segen noch ein Fluch, sie ist ein Teil vom Ganzen und zwar das Äußere, die Hülle, der Anschein, die Illusion.

Nur wenn wir glauben, dass die Mauern das ganze Haus sind, dann verpassen wir was und zwar uns selbst und somit alles andere!

Daher liebe ich meine rosarote Brille, wann immer mir die Kraft fehlt das Grelle des Lichtes zu ertragen, dann macht sie Sinn, denn es schont mein Sehen.

Aber ich möchte die Dinge schon manchmal sehen, wie sie im Hellen sind, mit vollem Kontrast und hinter den Fenstern der Hauswand, ohne Mayas Schleier  und ohne im Spinnennetz zu kleben. Dann zieh ich die rosarote Brille ab und manchmal blendet mich dann das Licht und schmerzt erst einmal in meinen Augen und manches Mal scheint mir dann auch wieder Maya zu begegnen, weil ich total verwirrt bin und dann gar nichts mehr verstehe. Dann wieder rosarote Brille auf bis zum nächsten Mal.

Aber wie war das doch gleich ist sie (Maya?) zu stark, bist Du zu schwach, oder so….

Daher einen sonnigen weiteren Mai, mit vielen Sonnenbrillentagen.

Bis später

Michael

3 Antworten zu Unsere rosarote Brille, oder getragen vom Segen der Illusion! Oder vom Fluch?

  1. Guten Abend Michael,
    schön, wie du über Sonnenbrillen, Täuschung und einer indischen Göttin philosophierst. Und ich stimme dir zu.
    Nur bin ich dafür gedanklich nicht bis Indien gereist. Paul Watzlawick unterscheidet zwei Realitäten, die der Fakten und die der Wertung. Am Beispiel Gold: Die chemische Zusammensetzung ist ein Fakt, eindeutig bestimmt; was Gold für jeden von uns bedeutet, ist kulturell und subjektiv eingefärbt.
    Unser Gehirn kann auch gar nicht anders als subjektiv wahrnehmen. Nur ein winziger Bruchteil dessen, was in unserem Gehirn an Wahrnehmung ankommt, landet in unserem Bewusstsein. Das wird bestimmt von unserer sozialen/kulturellen Umgebung und unserem individuellen Erleben. In einem Buch von Dieter Herbst habe ich eine These herausgelesen, die mir sehr sympathisch ist: Unser Bewusstsein ist die Instanz, die ein Vetorecht besitzt bzw. ein Veto einlegt für Entscheidungen, die unser Unterbewusstsein längst getroffen hat. Und das ist im Grunde von der Natur ganz klug eingerichtet. Wenn ein Gegenstand schnell auf uns zukommt, wäre es schön blöd, wenn wir die Situation erst logisch analysieren und beurteilen müssten, bevor wir reagieren. Besser wir springen schnell zur Seite, bevor uns das Auto oder der Radfahrer oder die Straßenbahn überrollt.
    Im zwischenmenschlichen Bereich finde ich die Modelle von Schultz von Thun sehr hilfreich, weil sie sehr schön zeigen, dass alles was wir sagen oder gesagt bekommen ein ziemlich komplexer Begriff ist, mit dem Ergebnis, dass das Missverständnis eher die Regel ist (das ist jetzt wieder von Watzlawick).
    Du sprichst auch über Täuschung. Beruflich hatte ich mich kürzlich mit dem Begriff auseinandersetzen müssen: Täuschung klingt negativ. Charme, Diplomatie, Geschäftssinn, Taktgefühl etc. klingen dagegen freundlich und auch sie entsprechen nicht der “Wahrheit”. Ich merke, ich komme ins Reden. Das soll als Gedankenpotpourri genügen. Ist eh schon (zu) lang. Ich wollte dir zustimmen und dir sagen, es gibt sehr wissenschaftliche Ansätze zu diesem Thema.
    Das Dumme daran ist, auch das Wissen um die wissenschaftlichen Ansätze schützt uns – mich zumindesst – nicht vor den alltäglichen Irrtümern und Missverständnissen. Aber es hilft, sie besser zu verstehen.
    Liebe Grüße
    mayarosa
    PS: Ich weiß nicht, ob man meinen Namen anklicken kann. Wenn du wissen möchtest, wer dir da geschrieben hat, schau hier: http://mayarosasweblog.wordpress.com/

  2. Super Artikel, jetzt muss ich nur noch jemanden finden der Ahnung davon hat und mir das ganze nochmal im Detail erklären kann.

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